Silber (chem. Symbol Ag), ist eines der Metalle, das die meisten kennen. Sei es das Silberbesteck, das seit hundert Jahren im Familienbesitz ist oder der Silberschmuck, der im Schatzkästchen schlummert. Das "weiß-silbrig" glänzende Metall ist seit der Antike bekannt und geschätzt. Wegen seiner höheren Häufigkeit (~20-fach), aber auch der etwas weniger großen chemischen Stabilität ist es nicht ganz so teuer wie Gold. Die geringere chemische Stabilität zeigt sich daran, dass Silber "anläuft" - in den allermeisten Fällen bedeutet das, dass das Silber mit Schwefelverbindungen z.B. aus dem Hautschweiß zu Silbersulfid reagiert, das schwarz ist. Im Gegensatz dazu ist Gold so edel, dass es mit "normalen" Reagenzien kaum zur Reaktion zu bringen ist, u.a. läuft es also nicht an.

 

Eigenschaften und Anwendungen

Für die chemische Industrie spielt Silber, z.B. als Katalysator nur eine untergeordnete Rolle, ein klassisches Einsatzgebiet ist bzw. war aber in der herkömmlichen Fotografie gegeben. Im fotografischen Film waren Silbersalze enthalten, die durch Belichtung zu elementarem Silber reduziert wurden, das führte zum gewünschten Foto. Durch Entwicklung des Films in vielen heimischen Fotolabors wurde nicht benötigtes Silber ausgewaschen und gelangte in die Klärwerke. Seitdem die Digitalkamera die Privat- und Profi-Haushalte erreicht hat, muss sich die Belastung des Abwassers durch Silber wesentlich verringert haben, denn der klassische (Silber-)Film ist heute eine "bedrohte Spezies".

 

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet von Silber ist die Elektronikindustrie, da Silber eine der höchsten Leitfähigkeiten für elektrischen Strom hat und damit für die Elektronikindustrie sehr wichtig ist. Verbunden mit relativ leichter Formbarkeit (Duktilität) und der oben beschriebenen chemischen Beständigkeit, ist Silber damit ein hoch begehrter Werkstoff für elektronische Bauteile und Schaltkreise. Für das Löten von Verbindungen werden Lotlegierungen eingesetzt, die Silber und andere Metalle enthalten.

 

Auch in biologischen Systemen kann Silber eine Rolle spielen. Schon die alten Römer kannten die Bakterien hemmende Eigenschaft des Silbers; sie legten Silbermünzen in Gefäße, die für die Aufbewahrung von Milch gedacht waren. Durch minimale Auflösung von Silber und dadurch die Freisetzung von Silberionen blieb Milch länger haltbar. Wegen der nur sehr schwach bakteriziden (bioziden) Wirkung lies sich das gelöste Silber ohne Probleme mittrinken.

Für die Behandlung von Warzen, die meist durch Viren ausgelöst werden, setzt man Silbernitrat in Form eines Stifts, dem so genannten Höllenstein (Österreich: „Lapisstift“) ein. Die Wirkung des Stifts wird im Allgemeinen mit einer Verätzung beschrieben, d.h. das Silbernitrat setzt unter Lichteinfluss letztlich ätzende Salpetersäure frei, die die Warze wegätzen soll. An Licht wird das verbleibende Silber-Ion zu elementarem Silber reduziert, was zu einer Schwarzfärbung der behandelten Hautpartie führt. Da die Reduktion von (atomaren) Silberionen zu schwarzen Silberpartikeln mit Abmessungen im oberen Nanometer- oder im Mikrometerbereich führt, muss es so sein, dass zu irgendeinem dazwischen liegenden Zeitpunkt Silberpartikel mit Abmessungen von wenigen Nanometern vorliegen. Mit dem althergebrachten Höllenstein vollbringt man also nach heutiger Definition eine Art Nanotechnologie.

Gezielt wird (Nano-)Silber heute auch in der Medizin als Wundauflage verwendet. Häufig findet sich hier der Begriff "Kolloidales" Silber – so hieß es, bevor der Begriff Nano in Mode kam (wobei Kolloide sowohl Nano- als auch Mikrometer groß sein können).

Nanosilber wirkt im Vergleich zu groben Silberteilchen besser, weil es eine größere Oberfläche aufweist und sich feiner verteilen lässt. Durch die größere Oberfläche werden mehr Silberionen frei, die letztlich die vergrößerte bakterizide (biozide) Wirkung haben. Nebenbei kommt man mit weniger (teurem) Silber aus.

Auch in anderen Produkten wird Nanosilber wegen seiner bakteriziden (etc.) Eigenschaften eingesetzt. Dabei ist oftmals nicht klar, ob das Attribut "Nano" nur zu Werbezwecken eingesetzt wird, oder ob tatsächlich Nanopartikel verwendet wurden – der Begriff Nano ist nämlich nicht geschützt.

Man kann zudem darüber streiten, ob es sinnvoll ist, unsere begrenzten Silbervorräte in geruchsarme Socken zu investieren. Erwiesen ist, dass Silber aus solchen Textilien ausgewaschen wird und in die Klärwerke gelangt. Welche Effekte das hat, ist noch nicht umfassend untersuch.

 

Natürliches Vorkommen und Herstellung

Silber wird oft als Metall (das nennt sich dann "gediegen"), seltener in Form von Silbersalzen im Bergbau abgebaut, normalerweise ist es mit Kupfer oder Blei und/oder anderen Metallen vermengt, man spricht hier üblicherweise von "Vergesellschaftung".

 

Literatur

  1. Wikipedia (DE): Silber (Stand letzter Zugang: Apr 2010).
  2. Roempp Chemie-Lexikon (1992). Band 5, Pi-S, Silber, 9. Auflage, Thieme-Verlag, Stuttgart, ISBN (gedruckt): 3-13-735010-7.
  3. PEN - Project on Emerging Nanotechnologies (EN): Nanotechnology Consumer Products (Stand letzter Zugang: Apr 2010).
  4. NanoTrust Dossier No.010 (April 2010). Nanosilber, NanoTrust, Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA), Wien.