APA Interview vom 13.10.2015

Die meisten "Risikostudien" zu Nanomaterialien seien wertlos, weil sie mangelhaft durchgeführt oder etwa für andere Zwecke konzipiert wurden, erklärte der Nanosicherheits-Experte Christoph Steinbach im Gespräch mit der APA. Mögliche Wirkungen auf Menschen wären zwar oft gut untersucht, Umwelt- und Entsorgungsfragen jedoch für viele Substanzen ungeklärt, sagte er anlässlich einer Tagung in Wien.

 

"Je nach der Substanz sind nur ein Achtel bis zu einem Drittel der Publikationen, die in der wissenschaftlichen Literatur zu finden sind, geeignet etwas über die Risiken der untersuchten Nanomaterialien auszusagen", so Steinbach, der bei der deutschen "DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie" in Frankfurt arbeitet. Etwa für Zinkoxid, das in der Nanotechnologie "durchaus gängig" ist, wären die Chancen, eine Studie mit gesichertem Wissen zu erwischen, Eins zu Acht gegenüber mangelhaften Risikoberichten, so der Experte, der am 14. Oktober auf der "8. NanoTrust-Tagung" an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sprechen wird.

 

Unzureichende Überprüfung

Eine häufige Fehlerquelle sei etwa, dass Forscher die Ausgangssubstanzen nicht ausreichend überprüfen. Wurde zum Beispiel bei der Herstellung eines Nanomaterials ein giftiges Lösungsmittel nicht gut genug entfernt, können die Zellen dadurch abgetötet werden, wobei fortan aber höchstwahrscheinlich die "getestete" Nanosubstanz als schädlich eingestuft wird.

"Die schlimmsten Katastrophenmeldungen, die man in der Presse findet, stammen aber von Versuchen mit Überdosierungen", so der Chemiker. Dabei könne es schon mal passieren, dass auf einer Schicht Versuchszellen 20 Schichten Nanomaterial aufgebracht wurden und die Zellen einfach aus trivialen physikalischen Gründen weder Licht, Luft noch Nährstoffe bekommen oder regelrecht erdrückt werden. Mit speziellen Nano-Eigenschaften einer Testsubstanz habe solch ein plump herbeigeführter Zelltod freilich nichts zu tun.

 

Öffentlich verfügbarer Kriterienkatalog

Um bei den Nanosicherheitsstudien die Spreu vom Weizen zu trennen, würden im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts DaNa2.0, welches von der DECHEMA koordineirt wird, bis zu 20 Wissenschaftler die Nanosicherheits-Literatur anhand eines öffentlich verfügbaren Kriterienkatalogs prüfen. Auf der Internetseite www.nanopartikel.info könne man die Ergebnisse nachlesen, und zwar in einer geeigneten Form, egal ob man "Normalbürger" oder selbst Forscher ist, erklärte Steinbach. "Wir versuchen, die Informationen von der Sprache her zu staffeln und fangen bei den einfachen Tatsachen an, um .....

 

 

 

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