>
Spotlight Dezember 2021: Kieselsäure-Nanopartikel verbessern die Resistenz gegen Krankheiten von Pflanzen
Die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegenüber verschiedenen Erregen von Pflanzenkrankheiten wird in der Landwirtschaft häufig mit verschiedenen Chemikalien („Dünger“) erhöht. Eine neue Richtung wird mit der Verwendung von Nanopartikeln eingeschlagen. Diese können auf die Pflanzen aufgesprüht werden. In der vorliegenden Studie wurde an der Modelpflanze Ackerschmalwand (Arabidopsis) untersucht, ob Siliziumdioxid Nanopartikeln (SiO2) die Widerstandsfähigkeit gegenüber Bakterien erhöhen kann. Dazu wurden die Pflanzen mit Siliziumdioxid Nanopartikeln vorbehandelt und anschließend mit Bakterien infiziert. Das Pflanzenhormon Salicylsäure spielt in der Abwehr von Erregern bei Pflanzen eine große Rolle. Es wird auch in der Humanmedizin als fiebersenkendes Medikament eingesetzt. Der Gehalt an Salicylsäure in den Blättern der Ackerschmalwand gab daher Auskunft über die Schutzfunktion der Siliziumdioxid Nanopartikeln.
Zunächst konnte eine Aufnahme der Siliziumdioxid Nanopartikeln über die Poren der Blätternachgewiesen werden. Im Anschluss kommt es zu einer langsamen Freisetzung von (Ortho)kieselsäure [Si(OH)4] im Inneren der Blätter. (Ortho)kieselsäure führt schließlich zur vermehrten Bildung von Salicylsäure durch die Pflanze, worauf der eigentliche Schutz vor bakteriellen Infektionen zurückzuführen ist. Dabei zeigt sich, dass die Gabe von Siliziumdioxid Nanopartikeln sicherer für die Pflanze war, als die direkte Verabreichung von (Ortho)kieselsäure. Denn der direkte Einsatz von (Ortho)kieselsäure führte zu zellulären Stressreaktionen, die auch äußerlich durch eine Gelbfärbung der Blätter sichtbar wurde. Im Gegensatz dazu zeigte Siliziumdioxid Nanopartikeln in hohen Konzentrationen keine toxische Wirkung, da die Freisetzung des wirksamen (Ortho)kieselsäure nur langsam erfolgt (Depotwirkung). Um eine schützende Wirkung für die Pflanze zu entfalten, werden nur sehr geringe Mengen an nanopartikulären Siliziumdioxid benötigt, was es zu einer kostengünstigeren Alternative für andere Stoffe macht.
Die Autoren weißen darauf hin, dass trotz der positiven Eigenschaften von Siliziumdioxid Nanopartikeln für die Pflanzengesundheit auch die Langzeitwirkungen auf Landwirtschaftsarbeiter, Bodenmikroorganismen und Bienen untersucht werden müssen. Bisherige Ergebnisse mit Fadenwürmer deuten auf eine 36-fach geringere Toxizität der Nanopartikel, verglichen mit flüssigem (Ortho)kieselsäure hin. Somit können Siliziumdioxid Nanopartikeln eine sichere und nachhaltige Chemikalie für Schutz vor Pflanzenkrankheiten sein.
Original Publikationen:
El-Shetehy M., Moradi A., Maceroni M., et al. Silica nanoparticles enhance disease resistance in Arabidopsis plants. Nat Nanotechnol. 2021;16(3):344-353. doi:10.1038/s41565-020-00812-0
Mehr Infos zu Siliziumdioxid Nanopartikeln in unserem Materialtext.
Weitere Spotlights
Spotlight Oktober 2021: Nanopestizide – Vorschlag für ein Rahmenprogramm zur Risikoabschätzung
Die Anwendung von sogenannten „Nanopestiziden“ (siehe auch Querschnittstext Nanomaterialien in Pflanzenschutzmitteln) soll grundsätzlich zwei Vorteile haben: eine geringere Menge an Pestizid wird für die gleiche Agrarfläche benötigt und/oder die Wirksamkeit soll verbessert werden. Dies ist notwendig, um genügend Nahrungsmittel für eine immer noch wachsende Weltbevölkerung anzubauen. Allerdings könnten damit auch erhöhte Risiken für Mensch und […]
WeiterlesenSpotlight Februar 2022: Probabilistische Risikoanalyse – der Schlüssel für die Zukunft der Toxikologie
Die Grundlagen der Toxikologie werden immer wieder überdacht, das Vorgehen bei einer Risikobeurteilung daher ständig auf den Prüfstand gestellt, denn, so wird William Osler in dieser Publikation zitiert, “Medizin (Toxikologie) ist die Wissenschaft der Unsicherheit und die Kunst der Wahrscheinlichkeit“. In dieser aktuellen Arbeit hat das Team um Thomas Hartung (Johns-Hopkins University/Universität Konstanz) dargestellt, dass […]
WeiterlesenSpotlight Juli 2020: Nanosicherheit – Mehr als nur Regulierungsprozesse
Nanosicherheit ist mehr als nur ein notwendiger Aspekt in der Nanomaterialforschung und Regulierung. Dieser Forschungsbereich hat auch großes Potential, neue Innovationen voranzutreiben. Genau diesen Blickwinkel greift die Sonderausgabe Rethinking Nanosafety: Harnessing Progress and Driving Innovation“ von Chen et al. 2020 auf. Der Artikel illustriert, dass gerade im Bereich der Biologie und Nanomedizin die Sicherheitsbetrachtung dazu beitragen […]
WeiterlesenSpotlight November 2021: Sichere Materialien von Anfang an – Safe-by-Design in der Materialforschung betrachtet
Neue nanoskalige Materialien überraschen uns immer wieder mit außergewöhnlichen chemischen, elektrischen, optischen und zahlreichen anderen Eigenschaften. Einige nanoskalige Materialien haben jedoch ein anderes toxikologisches Profil als das gleiche Material in ihrer grobkörnigen Erscheinungsform. Da Sicherheitsfragen heute in der Regel erst kurz vor der Markteinführung eines Produkts geklärt werden, kann es vorkommen, dass Forschungsgelder vergeudet werden, […]
Weiterlesen

