>
Spotlight Oktober 2022: Die Diskussion um Titandioxid – wieso die aktuelle Gefährdungsklassifizierung der ECHA und der EFSA hinterfragt werden sollte
Titandioxid (TiO2) wurde aufgrund verschiedener Berichte und wissenschaftlicher Studien in diesem Jahr (2022) auch in Europa für den Gebrauch als Lebensmittelzusatzstoff mit dem Hinweis verboten, dass es möglicherweise krebserregend sein könnte. Obwohl seit dem Gebrauch dieses Materials in Mikro- aber auch Nanogröße in vielen Produkten (seit mehr als 80 Jahren in Farben als Weißpigment enthalten und seit 2008 in Europa in Lebensmitteln zugelassen) noch kein Fall einer Tumorauslösung im Menschen bekannt geworden ist, sind die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss gekommen, dass die Hinweise ausreichen würden, um eine neue Klassifizierung durchzuführen.
Allerdings sind das Britische Komitee zur Mutagenität von Chemikalien in Nahrung, Konsumentenprodukten und Umwelt (COC) sowie die Gesundheitsbehörde Kanadas (Health Canada) anderer Meinung und stufen TiO2 weiterhin als harmlos ein, da sie die Belege aus den eingereichten Berichten als nicht schlüssig und nicht zutreffend einstufen.
Die zwei hier vorgestellten aktuellen Publikationen nehmen nun Stellung zu dieser neuen Klassifizierung in Europa. Sie kommen zu dem Schluss, dass diese Einstufung überdacht werden muss, da es keine Beweise für eine derartige genotoxische Wirkung des TiO2 in den Konsumentenprodukten gibt, würden also dem britischen und kanadischen Beispiel folgen.
Das Beispiel TiO2 macht deutlich, wie wichtig es in der Zukunft ist, toxikologische Untersuchungen genauestens nach Protokoll durchzuführen und damit qualitativ hochwertige und nachvollziehbare „FAIR“-Ergebnisse zu produzieren (siehe dazu auch die Spotlights September 2022 und August 2021).
Original Publikationen:
- Driscoll, K.E. (2022). Review of Lung Particle Overload, Rat Lung Cancer, and the Conclusions of the Edinburgh Expert Panel-It’s Time to Revisit Cancer Hazard Classifications for Titanium Dioxide and Carbon Black. Front Public Health 10, 907318
- Kirkland, D., Aardema, M.J., Battersby, R.V., Beevers, C., Burnett, K., Burzlaff, A., Czich, A., Donner, E. M., Fowler, P., Johnston, H.J., Krug, H.F., Pfuhler, S., Stankowski, L.F. (2022). A weight of evidence review of the genotoxicity of titanium dioxide (TiO₂). Regulatory Toxicology and Pharmacology, in press, journal pre-proof
Weitere Spotlights
Spotlight März 2022: Sichere Materialien von Anfang an – Das Safe-by-Design-Konzept im Praxistest
In den letzten Jahrzehnten ist die deutsche Forschung zu Nanomaterialien und neuen, innovativen Materialien weiträumig um Materialsicherheitsaspekte erweitert worden. Auch europäische Initiativen legen einen großen Wert darauf: Sowohl der Green Deal der Europäischen Union (EU) , als auch die Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) zielen darauf ab, eine nachhaltige, klimaneutrale Wirtschaft mit nachhaltigen und sicheren Chemikalien […]
WeiterlesenSpotlight September 2020: Grundwassersanierung mit Carbo-Iron® – Risiko oder Nutzen?
Im September möchten wir ein Paper des BMBF Projekts Fe-Nanosit vorstellen. Das Projekt beschäftigte sich mit dem Einsatz von Eisen-haltigen Nanomaterialien in der Grund- und Abwassersanierung. Eine übergreifende Bewertung und Abwägung von Nutzen und möglichen, aus der Anwendung entstehenden Umweltrisiken wird nun von den Projektpartnern in diesem Paper beschrieben.
WeiterlesenSpotlight Mai 2022: „Nano-Geister“ – Risikobewertung von Feinstpartikeln in Lebensmitteln mit Vorurteilen gegenüber fiktivem „nano“
Die Europäische Kommission hat ein Verbot für den Farbstoff Titandioxid in Lebensmitteln erlassen. Titandioxid, das für einen schönen Glanz und strahlend weiße Farbe sorgt, kann möglicherweise das Erbgut schädigen. Für das Spotlight im Mai 2022 haben wir einen Review-Artikel aus 2022 ausgewählt, der sich mit der Risikobewertung von Titandioxid (E171) in Lebensmittelqualität und den daraus […]
WeiterlesenSpotlight September 2023: Mit Proteinen nach Rohstoffen angeln
Die sogenannten Seltenen Erden wie Neodym, Dysprosium oder Cer sind Elemente, die nicht nur für die Energiewende von großer Bedeutung sind, sie dienen auch als Anteile von Magneten in Generatoren für die Stromerzeugung, wirken als Leuchtstoffe in energiesparenden Lampen oder als Teil des Autoabgaskatalysators. Die weltweite Produktion der Seltenen Erden wird derzeit stark von China […]
Weiterlesen


