Epidemiologische Studien speziell über Silber Nanopartikel gibt es derzeit noch nicht. Untersuchungen mit verschiedenen Verbraucherprodukten zeigen jedoch eine mögliche Freisetzung von Nano Silber aus den Produkten je nach Anwendung und Verarbeitung der Silber Nanopartikel im Produkt.

 

Allerdings kann eine dauerhafte Exposition mit Silber unabhängig von der Partikelgröße Krankheiten verursachen, bei denen Silber in hohen Dosen aufgenommen und in den Körper eingelagert wird. Bei der sogenannten Argyrie werden zusätzlich Haut und Schleimhäute unwiederbringlich verfärbt während bei einer Argyrose die Silbereinlagerungen lokal begrenzt sind. Am Arbeitsplatz sind die festgelegten Grenzwerte für die Handhabung von pulverförmigen Stoffen auch Silber Nanopartikel anwendbar und dürfen einen Wert von 0,01 mg/m³ für Silber-Verbindungen, die eingeatmet werden können, nicht überschreiten.[13,4]

Nano Kennzeichnungspflicht in Kosmetik, Bioziden und Lebensmittel

 

Bei Verbraucherprodukten ist nicht immer eindeutig ersichtlich, ob Silber tatsächlich in Nanoform zugesetzt wurde oder nur Werbezwecken dient. Um mehr Transparenz zu schaffen, gilt in der EU seit Juli 2013 eine Kennzeichnungspflicht für Nanopartikel in Kosmetika, Bioziden und seit Dezember 2014 auch für Lebensmittel. Der Mensch nimmt schätzungsweise 70-90 mg Silber pro Tag über die Nahrung auf.[1,14]

 

Können Nanopartikel aus Textilien freigesetzt werden? © Von Goetz, N et al. (2013)Können Nanopartikel aus Textilien freigesetzt werden? © Von Goetz, N et al. (2013)

In Deutschland ist (Nano) Silber als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen und fällt als Arzneimittel (kolloidales Silber) unter die Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes. Nahrungsergänzungsmittel mit nanoskaligen Schwermetallen wie Silber, Gold, Platin, Palladium und Iridium werden allerdings bereits auf internationaler Ebene über das Internet vertrieben und sind so auch in Deutschland zu beziehen.[10]

Kommerziell erhältliche Produkte mit integrierten Silber Nanopartikel, wie Funktions-Sportbekleidung, Lebensmittelverpackungen und verschiedene Kinder-Produkte, können nachweislich Silber-Ionen und auch Silber Nanopartikel freisetzen. Studien bei denen das Tragen von Silber Nanopartikel haltiger Sportbekleidung im Labor nachgestellt wurde, haben gezeigt, dass sowohl Silber-Ionen und auch Silber Nanopartikel in den künstlichen Schweiß freigesetzt werden. Dies entspräche dann im Schlimmstfall (engl. worst case scenario) einer nicht zu vernachlässigenden maximalen Exposition der Haut von 8,2 - 17,1 µg Silber pro kg Körpergewicht.[8]

 

Lebensmittelverpackungen mit Gemüseinhalt. © PhotoSG / fotolia.de

Ähnliches trifft auch für Lebensmittelverpackungen zu, allerdings lagen hier die gefundenen Mengen weit unter der natürlichen Silber-Belastung des Menschen. Trotzdem hat die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA (engl. environmental protection agency) im März 2014 den Verkauf der in dieser Studie untersuchten Plastikbehälter verboten.[9,2]

Untersuchung von (Nano)Silber haltigen Verbraucherprodukten für Kinder. © Quadros M.E. et al. (2013)Untersuchung von (Nano)Silber haltigen Verbraucherprodukten für Kinder. © Quadros M.E. et al. (2013)

In einer weiteren Studie wurden verschiedene Kinder-Produkte, darunter Spielzeug, Kleidung und Wischtücher auf eine mögliche Freisetzung von Nano Silber bzw. Silber-Ionen untersucht. Hier waren die Silber Nanopartikel fest in das Produkt eingebunden, so dass nur sehr geringe Mengen an Silber-Ionen in künstlichem Schweiß oder Urin nachgewiesen werden konnten.[7]

 

Bei Untersuchungen von Spray-Produkten, die laut Beschreibung Nano Silber enthalten sollen, war das Silber nur in Form von Silberchlorid bzw. Silber Agglomeraten, nicht aber in Nanoform nachweisbar. Allerdings liegen die kalkulierten Expositions-Werte mit Silber für den Schlimmstfall immer noch unterhalb des von der Weltgesundheitsorganisation WHO (engl. world health organisation) festgelegten Grenzwertes von täglich 5 µg Silber pro kg Körpergewicht.[6]

Erste Studien an Menschen mit kommerziell erhältlichen Silber Nanopartikel Produkten, z.B. in Textilien, Sprays oder Nano Silber Suspensionen zur oralen Einnahme, zeigten keine negativen gesundheitlichen Effekte der untersuchten Probanden. Allerdings sollten für eine umfassende Bewertung noch längere Zeiträume bzw. eine mögliche chronische Exposition mit Silber Nanopartikel aus Verbraucherprodukten genauer untersucht werden.[5,6,3,11]

 

Zusammenfassend kann keine pauschale Aussage über mögliche Gefahren von Silber Nanopartikel haltigen Verbraucherprodukten getroffen werden. Wichtige Anhaltspunkte sind Verarbeitung und Einbindung der Silber Nanopartikel in das jeweilige Produkt.

 

Literatur arrow down

  1. Böhmert, L et al. (2014). Nanotoxicology, 8(6): 631-642.
  2. Cushen, M et al. (2013). Food Chem, 139(1-4): 389-397.
  3. Hoefer, D et al. (2011). ISRN Dermatol, 2011 369603.
  4. Lee, JH et al. (2012). J Nanopart Res, 14(9): 1-10.
  5. Munger M.A. et al. (2014). Nanomedicine, 10(1): 1-9.
  6. Quadros, ME et al. (2011). Environ Sci Technol, 45(24): 10713-10719.
  7. Quadros, ME et al. (2013). Environ Sci Technol, 47(15): 8894-8901.
  8. Von Goetz, N et al. (2013). Environ Sci Technol, 47(17): 9979-9987.
  9. Von Goetz, N et al. (2013). Food Addit Contam Part A Chem Anal Control Expo Risk Assess, 30(3): 612-620.
  10. Arzneimittelgesetz (AMG) (2005). Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln, gesetze-im-internet.de (Stand letzter Zugang: Dez 2014)
  11. Hadrup, N et al. (2014). Regul Toxicol Pharmacol, 68(1): 1-7.
  12. Richtlinie 94/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Juni 1994 über Farbstoffe, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen. (PDF-Dokument)
  13. SCENIHR (2014). EC-Report: Opinion on Nanosilver: safety, health and environmental effects and role in antimicrobial resistance.(PDF-Dokument)
  14. Wijnhoven, SWP et al. (2009), Nanotoxicology, 3(2): 109-U178.
  15. Moeller, M et al (2009). Nanotechnologie im Bereich der Lebensmittel, TA Swiss, vdf Hoschschulverlag AG, Zürich. ISBN 978-3-7281-3234-5.

 

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